Klasse 8a im Schöffengericht Kleve

12.07.2018   |   Anne Graf

„Im Namen des Volkes ...“ Bei diesen Worten erhoben sich respektvoll alle Anwesenden im Gerichtssaal des Schöffengerichts Kleve, als das Urteil für zwei noch jugendliche Straftäter ausgesprochen wurde: 4 Monate Freiheitsentzug auf Bewährung und Erziehungsmaßnahmen unter strengen Auflagen. Es ging um Einbruchdiebstahl, den mehrere Jugendliche und junge Erwachsene zur Zeit der Bedburg-Hauer Herbstkirmes verübt hatten.

Ermöglicht wurde der Besuch durch Herrn Franke, den Jugendgerichtshelfer der Stadt Goch, der schon im Vorlauf eine Stunde im Rahmen des Politik-Unterrichts in der Leni-Valk-Realschule zum Thema „Jugend und Recht“ und Jugendstraftaten in Goch gestaltet hatte. Jetzt mal selber in den Gerichtssaal zu gehen, Staatsanwalt, Verteidiger und die Richterin in ihren Roben zu sehen und den Ablauf einer Verhandlung mitzuerleben war sicherlich noch mal eine ganz besondere Erfahrung für die Schüler der Klasse 8a, die größtenteils mit mittlerweile 14 Jahren die Strafmündigkeit erreicht haben.

Besonders beeindruckend war sicherlich die Ansprache der Richterin an den jüngeren Straftäter, der zum Zeitpunkt der Tat mit nicht ganz 21 Jahren noch als Heranwachsender behandelt wurde, also nach dem Jugendstrafrecht. Ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung oder geregelte Erwerbstätigkeit musste er sich vor der Richterin rechtfertigen, warum er nicht wenigstens seine aus früheren Straftaten resultierenden Sozialstunden abgeleistet hätte. Gefragt nach seinem Tagesprogramm musste er zugeben, dass er in den Tag hineinlebe und auch für die Zukunft keine Pläne habe. Gewiss war es für die Schüler sehr aufschlussreich, dass er am Ende mit der Androhung von Jugendarrest, einer erhöhten Anzahl von abzuleistenden Sozialstunden unter strenger Kontrolle der Jugendgerichtshilfe und der Auflage entlassen wurde, sich um eine geregelte Beschäftigung und einen strukturierten Tagesablauf zu bemühen.

Sicherlich war diese außerhalb der Schule verbrachte Zeit trotzdem eine sehr lehrreiche und interessante Erfahrung für die Schüler, so dass die begleitende Lehrerin, Frau Graf, sich am Ende bei der Richterin für diese wertvolle Bereicherung des Politik-Unterrichts bedanken konnte.